Innerhalb der letzten zwei Wochen ist der Ölpreis regelrecht explodiert, was vor allem auf die Krise in Libyen zurück geführt werden kann. Fundamental ist dieser große Preisanstieg nach Meinung der meisten Experten jedoch nicht gerechtfertigt.
Das von den starken Unruhen betroffene Libyen exportiert zwar täglich etwa 1,6 Millionen Barrel Rohöl, allerdings können die bisher durch die Unruhen entstandenen verminderten Lieferungen noch von anderen Ländern, vor allem Saudi-Arabien, ausgeglichen werden. Der aktuell so stark gestiegene Ölpreis ist also vorrangig durch Panikkäufe zustande gekommen, weil viele Anleger weitere Unruhen befürchten, zum Beispiel im Iran. Und als zweitgrößtes Öl exportierendes Land wäre ein Lieferengpass im Iran dann tatsächlich ein größeres Problem, was dann auch fundamental einen steigenden Ölpreis rechtfertigen würde. Spekulanten konnten sich jedenfalls in den letzten zwei Wochen mitunter eine „goldene Nase“ verdienen, falls sie mittels des CFD-Tradings auf weiterhin steigende Ölpreise gesetzt hatten.
So stieg beispielsweise der Preis für die Ölsorte WTI innerhalb der letzten 14 Tage von rund 90 US-Dollar auf zwischenzeitlich 105 US-Dollar. Bei den im CFD-Handel üblichen Hebel von 100:1 hätten Spekulanten im Bezug auf ihr investiertes Kapital so in rund zwei Wochen einen Gewinn von sage und schreibe 1.600 Prozent (!) erzielen können. Allgemein stellt sich natürlich derzeit die vorrangige Frage: In welche Richtung bewegt sich der Ölpreis in naher Zukunft? Behält weiterhin die Panik die Oberhand, dann sind weitere Preissteigerungen durchaus wahrscheinlich. Beruhigt sich die politische Lage im arabischen Raum hingegen wieder und besinnen sich die Anleger eher auf fundamentale Daten, könnte es auch eine deutlich Gegenbewegung geben, also einen fallenden Ölpreis.
Autor: U. Potschka