Noch vor kurzer Zeit schien es relativ unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank den Leitzinssatz vor Beginn des zweiten Halbjahres 2011 erhöhen würde. Nun führt allerdings eine Anmerkung des EZB-Präsidenten Trichet zu neuen Spekulationen in dieser Richtung.
Sofort nach der Bemerkung von Trichet, dass eine Zinserhöhung schneller als bislang erwartet wird erfolgen könnte, folgten auch schon die „üblichen“ Reaktionen, die man im Grunde fast immer dann beobachten kann, wenn eine Erhöhung des Leitzinssatzes wahrscheinlicher wird. Diese Reaktion besteht auf der einen Seite in sinkenden Aktienkursen an der Börse, die zuvor gute Stimmung beim DAX wurde also erst einmal gebremst. Auf der anderen Seite wird der Kurs des Euros durch die neuerlichen Spekulationen beflügelt. Teilweise konnte sogar ein Kurs knapp unter der 1,40 Dollar-Marke erreicht werden.
Allgemein kam die Ankündigung des Notenbankchefs für nahezu alle Finanzexperten und Analysten ziemlich überraschend. Auch aufgrund dieser aktuell wahrscheinlich gewordenen relativ schnellen Erhöhung der Leitzinsen gehen die meisten Devisenexperten nun davon aus, dass der Euro in der nächsten Zeit sogar die psychologisch wichtige Marke von 1,40 US-Dollar überschreiten werde. Der ansteigende Kurs des Euros bei wahrscheinlich steigenden Leitzinsen ist übrigens unter anderem dadurch zu erklären, dass der Euro bei höheren Zinsen gefragter wird (als Geldanlage), und erhöhte Nachfrage führt bekanntlich zu steigenden Kursen. Bei den Aktien ist genau das Gegenteil der Fall, denn höhere Zinsen für verzinsliche Geldanlagen, die sicherlich nach einer Erhöhung der Leitzinsen folgen dürften, bedeutet erhöhte „Konkurrenz“ der verzinslichen Finanzprodukte für die Aktien.
P. Volkmar