Viele Kunden haben teilweise im Durchschnitt auf ihrem Girokonto ein nicht unerhebliches Guthaben, welches allerdings auf dem Girokonto praktisch keinen Gewinn bringt, denn die Zinsen sind hier meistens gering. Auf diese Weise werden jährlich Milliarden von Euro an möglichen Zinsen verschenkt.
Nur sehr wenige Banken bieten auf ihrem Girokonto eine Guthabenverzinsung an, die in etwa mit der von Tagesgeldkonten vergleichbar ist. Im Durchschnitt betrachtet ist das Tagesgeldkonto die deutlich bessere Alternative als das Girokonto, wenn Guthaben kurzfristig zinsbringend und dennoch stets verfügbar angelegt werden soll. Nur knapp zehn Prozent aller Girokonto weisen derzeit eine Verzinsung auf, die dann noch immer nicht mit den Tagesgeldzinsen identisch sein muss. Laut offiziellen Statistiken der Deutschen Bundesbank haben die Bürger mehr als eine halbe Billionen Euro auf Sichteinlagen, also auf Giro- und Tagesgeldkonten deponiert. Allerdings entfallen davon rund ein Drittel auf die Girokonten, also mehr als 180 Milliarden Euro.
Was hier an Zinssummen verschenkt wird macht ein Vergleich deutlich. Auf dem Girokonto erhält man derzeit im Durchschnitt eine Verzinsung von nur 0,1 Prozent, während der durchschnittliche Tagesgeldzinssatz (ohne Neukunden-Bonus etc.) bei knapp 1,10 Prozent liegt. Nimmt man die zuvor genannten 180 Milliarden Euro und diese Zinsdifferenz von einem Prozent als Maßstab, dann werden jährlich im Durchschnitt etwa 1,8 Milliarden Euro an Zinsen verschenkt. Und dabei wurden hier nur die durchschnittlichen Zinsen als Grundlage genommen. Schaut man sich Tagesgeldangebote an, die einen Neukunden-Bonus beinhalten, den durchaus jeder Inhaber eines Girokontos dann bei Anlage des Tagesgeldkontos auch bekommen würde, so kommt man durchaus auf einen Zinssatz von zwei Prozent. Dann würde die „verschenkte“ Zinssumme schon mehr als 3,5 Milliarden Euro betragen.
Autor: U. Potschka